Informationsmaterial
Die archäologische Zone von Tonina (Chiapas, Mexiko)

 

Geografie

Die Stätte liegt über dem fruchtbaren Tal von Ococingo. [Rockstroh, 1989: S. 103] 

Tonina liegt in einem Mischwald aus Fichten und immergrünen Eichen im Ococingo-Tal. [Alcina, 1979: S. 509] 

Tonina liegt auf etwa 900 Metern, ist jedoch kulturell vollständig vom Tiefland beeinflusst. [Baudez, 1985: S. 139]

Tonina ist seiner besonderen Ruinen und der herrlichen Aussicht wegen jede Mühe wert. [Gockel, 1998: S. 261]

Ansichten der Akropolis:

Modell:

Name der Stätte

Der ursprüngliche Name der Stätte wird "Poo" gelesen. [-; Maya - Die klassische Periode (Hirmer), 1998: S. 249]

Toniná = Tzeltal "Haus des Steins" [-; Mittelamerika - Die Welt der Maya (Knaur), 1996: S. 253]

Der Ort heißt "Steinhaus". [Gockel, 1998: S. 257]

"Tonina bedeutet im örtlichen Mayadialekt "Steinernes Haus". Der Begriff ist erst in jüngerer Zeit gewählt worden.
Dem Ethnologen Christian Rätsch zufolge bezeichnen die Lacandonen die Ruinen "u lä'yatoch mensäbak" = "das verfallene Haus des Pulvermachers ". Der Pulvermacher ist in der Lacandonen-Mythologie ein Hauptregengott, der aus dem Ruß von Weihrauch ein Pulver herstellt und dieses an die regionalen Regengötter verteilt. Sie streuen es auf die Wolken, damit es regnet. [Rockstroh, 1989: S. 100]

Archäologie

Frater Jacinto Garrido besuchte im 17. Jh. Tonina und schrieb nieder, die Zeichen seien sicher keine Buchstaben, sondern Silbenzeichen. [-; Maya - Die klassische Periode (Hirmer), 1998: S. 229]

Die Ruinen werden Anfang des 18. Jahrhunderts im Werk eines unbekannten Mönchs erwähnt, später weilten hier G. Dupaix und Stephens. [Alcina, 1979: S. 509]

1807 wurden die Ruinen vom spanischen Hauptmann Dupaix besucht, 1832 war hier Graf Waldeck und 1839 weilten hier Catherwood und Stephens. [Rockstroh, 1989: S. 100]

Ende des 19. Jahrhunderts fand E.G. Squier hier ein Opferdepot mit vielen Jadestücken, heute im Besitz des American Museum of National History in NY ("Squier Collection"). [Rockstroh, 1989: S. 103]

Erst 1927 wurde von Blom und La Farge eine erste Studie veröffentlicht. [Alcina, 1979: S. 509]

Von 1972 -1980 gruben hier frz. Archäologen und fanden zahlreiche Skulpturen und Fragmente. [Rockstroh, 1989: S. 103]

Tonina wurde 1972-80 von Becquelin und Baudez ausgegraben [Martin/Grube, 2000: S. 177]

1972/73 fanden intensive Untersuchungen durch frz. Archäologen unter Leitung von Pierre Becquelin und Claude F. Baudez statt. [Alcina, 1979: S. 509]

Als Teil des 1992 begonnenen Proyecto Arqueológico Especial wurden in Tonina Arbeiten unter Juan Yadéun ausgeführt und ein Museumbau in Angriff genommen. [-; Maya - Die klassische Periode (Hirmer), 1998: S. 20]

Anlage

Als Baumaterial wurde in Tonina Sandstein verwendet. [Baudez, 1985: S. 43]

Die Unterbauten aus Sand und Sandsteinblöcken waren nicht sehr stabil, daher hat die Architektur sehr gelitten. [Baudez, 1985: S. 139]

Hinsichtlich Architektur und Größe ist Tonina von zweitrangiger Bedeutung, hat jedoch bemerkenswerte Plastiken aus Sandstein hervorgebracht. [Baudez, 1985: S. 139]

Gestaltete Terrassenanlage:

Die 7 Terrassen erreichen eine Höhe von 57 Metern. [Baudez, 1985: S. 139]

Nach Meinung von Juan Yadeun stellt die Akropolis mit ihren 7 Stufen das Universum mit dem Aufstieg zum Himmel und dem Zugang zur Unterwelt dar. [-; Maya - Die klassische Periode (Hirmer), 1998: S.135]

Die Anlage erhebt sich in 5 aufeinanderfolgenden großen Terrassen. Sie beherbergt nur noch 2 Tempelruinen auf den oberen Terrassen [Rockstroh, 1989: S. 101]

Es hat den Anschein, als sei der Ostteil der Akropolis auf verschiedenen Ebenen als Palast genutzt worden, während sich im Westen v.a. Gräber befinden, in der Mitte die Tempel. [Gockel, 1998: S. 259]

Im Westen, Osten und Südosten der Akropolis liegen noch weitere Ruinenbereiche, die vielleicht Wohnviertel waren. [Alcina, 1979: S. 509]

Die Treppen beherrschen das Stadtbild, eine ist 19 m hoch und 30 m breit. [Alcina, 1979: S. 509]

Auf einer tiefer gelegenen Terrasse befindet sich ein kürzlich frei gelegter Altartisch mit feinen Stuckornamenten und Resten von Bemalung. Dahinter ist eine Gruppe von miteinander verbundenen Räumen und teilweise in den Hügel gebauten unterirdischen Räumen sichtbar. [Rockstroh, 1989: S. 101]

Die Gebäude in Tonina scheinen alle mit modelliertem Stuck überzogen gewesen zu sein. Anscheinend wurden Darstellungen von Herrschenden, von Politik und Krieg in Stein gebildet, während man für mythologische Wesen meist Stuck verwendete. [Baudez, 1985: S. 144]

Stuckrelief:

Reste von Schmuckreliefs aus Stuck im "Haus der Blumen", 8. Jahrhundert:

Weiter oben steht der "Palacio de las Grecas y de la Guerra". [-; Lonely Planet - Reiseführer Mexico, 2002: S. 857]

Gran Plaza

Unten befindet sich die Gran Plaza.
Am Südende steht der "Templo de la Guerra Cósmica" mit 5 Altären davor. [-; Lonely Planet - Reiseführer Mexico, 2002: S. 857]

Ballspielplatz

Blick von der Akropolis zum Großen Ballspielplatz:

Ballspielplatz 1, der große Platz im Osten, wurde wahrscheinlich 699 von B'aaknal Chaak eingeweiht, um seine Erfolge in der Usumacinta-Region zu feiern.. Nach 776 erfolgte eine Renovierung des Platzes mit der Hinzufügung eines Steinmarkers. [Martin/Grube, 2000: S. 182]

Ganz unten ist ein Ballspielplatz in Form eines Doppel-T sichtbar. [Rockstroh, 1989: S. 101]

Am großen Vorplatz liegt der Ballspielplatz, den 775 Fürst "Blitz des Himmels" oder Pul-Kann "Himmelsführer" mit einem Rundaltar einweihte. Der Platz hat schräge Spielfeldwände mit Figurenschmuck aus Stein. [Gockel, 1998: S. 258]

Direkt vor der Akropolis wurden bei zwei parallelen Plattformen Steinfragmente von zwischen 630-730 gefunden. Es ist dies möglicherweise ein älterer Ballspielplatz.[Gockel, 1998: S. 258]

Unten gibt es 2 Ballspielplätze. [Baudez, 1985: S. 139]

Auf dem mittleren Markstein sieht man den 7. König, wie er auf dem Körper des Erdungeheuers sitzt und den Zeremonialstab präsentiert. er ist hier ausnahmsweise, aber wie auch in Yaxchilan üblich kein Ballspieler. [Baudez, 1985: S. 144]

Der Große Ballspielplatz wurde um 780 gebaut.[-; Lonely Planet - Reiseführer Mexico, 2002: S. 857]

Palacio del Inframundo

Blick auf den "Palacio del Inframundo":

Gewölbe im "Palacio del Inframundo":

Auf dem ersten Absatz rechts findet sich der Palacio del Inframundo. Er hat kreuzförmige Fenster, wurde um 500 überbaut und später versiegelt. Im Innern liegt die Statue des Königs Sots-Choj, die im Schutt seines Osttempels weiter oben gefunden wurde.[Gockel, 1998: S. 259]

Von den beiden ersten Terrassen ist wenig übrig geblieben, da der Gouverneur von Ocosingo hier Steine für Straßenbauarbeiten fand.[Schlegel, Mexico ..., 1998: S. 325]

Templo de Agricultura

Dieser wurde wohl im 6. Jahrhundert gebaut und um 730 restauriert. An seiner Basis wurde ein Steinkugel, wohl ein Symbol des Ballspiels gefunden, deponiert im Maul eines Erdmonsters aus Stuck. [Gockel, 1998: S. 260]

Auf der obersten Terrasse ist von 4 Tempeln der "Templo de Agricultura" der am wenigsten eindrucksvolle. [Schlegel, Mexico ..., 1998: S. 325]

"Templo de Agricultura", erbaut im 6. Jahrhundert, Renovierung um 730:

Altar de Monstruo de la Tierra

Hier sieht man den schon etwas zerbröckelten Tempel des Erdgottes "Altar de Monstruo de la Tierra"

Der Tempel des Erdmonsters wurde um 713 gebaut. [-; Lonely Planet - Reiseführer Mexico, 2002: S. 857]

Die Maske des Erddrachens hat eine Sonne im Rachen. {andere Interpretation als Gockels Steinball-RO} [-; Maya - Die klassische Periode (Hirmer), 1998: S. 120]

"Tempel des Erdmonsters" mit großer Stuckkugel im Innern:

 

Skulptur

Im Museum befindliche Rundstele:

Eine Besonderheit sind die rundplastischen Skulpturen, die jenen ersten Besuchern aber offenbar entgingen. [Rockstroh, 1989: S. 100]

In Tonina sind die Stelen rundplastische Skulpturen, die eine Inschrift auf der Rückseite tragen. [-; Maya - Die klassische Periode (Hirmer), 1998: S. 247]

In der Skulptur gibt es flachreliefierte Werke, die stilistisch dem Tiefland entlehnt sind, aber auch typische Hochreliefs und vollplastische Stücke.

Die Stelen haben unten einen Zapfen (der nicht von den Maya erfunden wurde), womit die Stele in gemauerte Sockel eingelassen wurde.

Viele Würdenträger sind ohne Schlangenstab dargestellt, man weiß nicht, ob diese Stelen die Könige anlässlich bestimmter Zeremonien darstellen oder es sich um nichtkönigliche Adlige handelt. [Baudez, 1985: S. 139]

Die in Tonina angewandte Darstellung in Frontalfigur währte kürzer, geht vielleicht auf Teotihuacan (?) zurück und fand sonst seinen Niederschlag in Piedras Negras, Quirigua und Copan. [Baudez, 1985: S. 49]

Bemerkenswert die zahlreichen Rundskulpturen. Meist findet sich die Darstellung weltlicher Würdenträger oder Priester mit reicher Kleidung. Die Skulpturen sind wie in Copan an face und - soweit erhalten, mit rechtwinklig gestellten Füßen dargestellt.

Viele der Skulpturen sind noch in Tonina, die wertvollsten Stücke im kleinen Museum, insbesondere zwei Skulpturen. [Rockstroh, 1989: S. 101]

Es wurden Stelen mit Daten von 495 bis 909 gefunden. [-; Baedeker Mexiko, 1997: S. 435]

Außerdem gibt es mehrere (4) Rundsteine, nur 2 davon in gutem Zustand mit erkennbaren Glyphen. [Rockstroh, 1989: S. 103]

Kleinkunst

Bruchstücke von kleinen Figurinen hat man in Tonina v.a. im häuslichen Bereich gefunden. [Baudez, 1985: S. 218]

Anhand der Figurinen konnte man in Tonina feststellen, welchen Kopfputz Sklaven oder Gefangene trufen: lange, spitz zulaufende Mützen mit mehreren Löchern. [Baudez, 1985: S. 225]

Relief des Dream Lords

Dieses Stuckrelief wurde 1992 auf der 5. Terrasse freigelegt. Interessant ist, dass es starke Parallelen zu Teotihuacan gibt, wo im Atelelco-Komplex in ähnlicher Weiße Federrahmen zur Unterteilung des Bilder verwendet und  an den Kreuzungspunkten Medaillons platziert wurden. [Martin/Grube, 2000: S. 185]

Das Stuckrelief der vier Jahreszeiten wurde um 730 angelegt. Drei rechteckige Bildfelder sind durch Blattbänder gerahmt und gegliedert.[Gockel, 1998: S. 260]

Die bedeutendste Skulptur in Tonina ist das "Mural de las Cuatro Eras", geschaffen zwischen 790 und 840, von den 4 Reliefs sind noch 3 vorhanden.[-; Lonely Planet - Reiseführer Mexico, 2002: S. 857]

Ah Puch, Gott A, den Todesgott, sieht man in Tonina in bemerkenswerter Weise als Stuckrelief, wo er den Kopf eines Enthaupteten in der Hand hält. [-; Maya - Die klassische Periode (Hirmer), 1998: S. 123]

Darstellung des Totengottes auf dem Relief der 4 Himmelsrichtungen (um 730):

Tumba de Treinta Metros

Es befindet sich auf der gleichen Stufe wie das Relief der vier Jahreszeiten. Es ist nichts für Leute mit Platzangst. [-; Lonely Planet - Reiseführer Mexico, 2002: S. 857]

Grab mit Sarkophag:

Haupttempel

Der einstige Haupttempel mit Resten eines Dachkamms befindet sich auf einem hohen Unterbau und enthält mehrere Räume mit Kraggewölben.

Catherwood zeichnete 1839 ein Stuckrelief über dem Raum zum inneren Heiligtum, doch ist davon heute nichts mehr zu sehen. [Rockstroh, 1989: S. 101]

Den Tempel auf der obersten Plattform hat um 842 Sotz-Choj erneut geweiht. [Gockel, 1998: S. 260]

Der Templo de la Guerra, um 780 in seinem letzten Zustand gebaut, wird wegen der Gefangenenreliefs an der Basis so genannt. Unter seinem Boden fanden sich über 400 Gefäße mit Spuren von Opferblut. [Gockel, 1998: S. 260]

Die beiden größten Pyramiden stehen nebeneinander und bedecken fast die gesamte Fläche der obersten Plattform.

Die nur oberflächlich untersuchte Pyramide ist 19 m hoch. Darauf steht ein Tempel, in dessen hinterem Raum sich eine Stele eines bewaffneten Würdenträgers befand. Der andere Tempel wurde von Stephens A genannt. [Baudez, 1985: S. 139]

Der "Templo de Vida y Muerte" soll der Königspalast gewesen sein. Daneben ragen die beiden wichtigsten Pyramiden auf, am höchsten der "Templo de Guerra". [Schlegel, Mexico ..., 1998: S. 325]

 "Templo de la Guerra" (um 780) (auch Gefangenentempel, so nach Stuckreliefs benannt):

Der höchste Tempel von allen ist der "Templo del Espejo Humeante" und erreicht 80 m über der Gran Plaza. Der Tempel wurde von Zots-Choj gebaut, der den Thron 842 übernahm. [-; Lonely Planet - Reiseführer Mexico, 2002: S. 857]

 

Frühe Bewohner

Hier lebten schon etwa 400 v.u.Z. Menschen, doch wurde der Platz dann aufgegeben und erst im 2. Jahrhundert wieder besiedelt.

Damals wurden erste Steingebäude errichtet, jedoch später überbaut. [Gockel, 1998: S. 257]

Die Geschichte beginnt um 300 und erreichte einen Höhepunkt zwischen 650-909. [Alcina, 1979: S. 509]

 

Internationale Beziehungen

Tikal hatte ein enge Beziehung nach Bonampak, kriegerische Auseinandersetzungen mit Palenque und einmal auch mit Calakmul, sowie kriegerische Auseinandersetzungen mit wenig bekannten Stätten. [Martin/Grube, 2000: S. 21]

Dass Tonina enge Beziehungen zum übrigen Mayagebiet hatte, erkennt man, dass der Tod des Königs Chak Tok Ich'aak von Tikal hier im Juli 508 erwähnt wurde. [Martin/Grube, 2000: S. 37]

König B'olon K'awiil von Calakmul wurde 789 in Tonina erwähnt. [Martin/Grube, 2000: S. 115]

Tonina mag eine Rolle im Handel zwischen dem Tiefland und dem Hochland gespielt haben. [Martin/Grube, 2000: S. 177]

 

Dynastische Geschichte

Das älteste Hinweis auf einen König datiert schon in das Jahr 217, doch sind keine genaueren Daten bekannt.

Herrscher 1:

Er ist der erste fassbare König in einer Reihe von 10 Herrschern, die von Peter Mathews identifiziert wurden. Ein kürzlich von Juan Yadeun entdeckter Altar nennt in seinem Zusammenhang das Jahr 514.

Jaguar Bird Peccary (B'alam Ya-? Ahk-al, auch Zots Choj) und Chak B'olon Chaak (Chak-9-Chaak):

Es mag noch weitere Könige gegeben haben, doch sind aus den Jahren um 565 und 580 nur diese beiden Namen überliefert. [Martin/Grube, 2000: S. 178]

Stele des Königs Zozs Choj von 577 (Replika, Original im Museum):

 

K'inich Hix Chapat ("Great Sun Jaguar Centipede", auch Personage 2)

Er wurde wahrscheinlich 595 (?) inthronisiert und starb wahrscheinlich 665 (?). [Martin/Grube, 2000: S. 178]

Während seiner Regierungszeit wurde untergeordnete Könige in Stätten eingesetzt, die bisher nicht identifiziert werden konnten. [Martin/Grube, 2000: S. 179]

Herrscher 2 (auch Jaguar Casper):

Er wurde 668 inthronisiert, drei Jahre nach K'inich Hix Chapats letzter Erwähnung. In seiner Herrschaft sind Darstellungen gebundener Gefangener verbreitet.

Man nimmt an, dass er 687 bei kriegerischen Aktionen in die Hände von Palenque fiel und geopfert wurde. Die Vorfälle sind nicht genau bekannt, doch spricht die Tatsache, dass er nach einem Jahr einen Nachfolger hatte, für diese Angabe. [Martin/Grube, 2000: S. 181]

K'inich B'aaknal Chaak (Ruler 3, "Great-Sun Boneplace Rain Gott"):

Er wurde 652 geboren. [Martin/Grube, 2000: S. 183]

Unter seiner Regierung erlebte Toninaa Königsmacht einen Höhepunkt. Er wurde 688 inthronisiert. Tonina betrieb eine aggressive Politik um die Vorherrschaft der Region. Eine Reihe von Monumenten belegen dies. [Martin/Grube, 2000: S. 181]

Es wurden mehrere Kriege in der Region südlich Piedras Negras geführt, doch sind heutige Ortsnamen kaum zu identifizieren. [Martin/Grube, 2000: S. 182]

711 führte Tonina einen erfolgreichen Sternenkrieg gegen Palenque und fing König K'an Joy Chitam. [Martin/Grube, 2000: S. 183]

715 beschreibt sich König Etz'nab Jawborne von Bonampak als Vasall von Tonina. Die Inschrift erfolgte im Todesjahr des Königs von Tonina.

Möglicherweise hatte er einen kurzlebigen Nachfolger namens K'el Ne' Hix, doch regierte dieser kaum länger als 1 Jahr. [Martin/Grube, 2000: S. 184]

Baknal Chak, König von Tonina nahm Kann Hok Chitam II. von Palenque gefangen, wie auf Monument 102 in Tonina dargestellt. [-; Maya - Die klassische Periode (Hirmer), 1998: S. 250]

Der König, der den Sohn Pacals gefangen nahm, hatte zeitweise auch einen König von Bonampak zum Vasallen.  [Schele/Freidel, 1994: S. 456]

Eine Stele aus Bonampak, die sich heute im Art Museum von St. Louis befindet, zeigt ihren König als Untergebenen des Königs von Tonina. [Schele/Freidel, 1994: S. 615]

Herrscher 4 (K'inich-? K'ak', "Great-Sun Jaguar God Fire", auch Dios Jaguar):

Er wurde 654 geboren oder 706. Die Entzifferung ist unklar. Darstellungen zeigen ihn sowohl als Teenager als auch als älteren Mann. Da er nur wenige Jahre regierte, wird wohl das erste Datum stimmen.

Zwischen 716 und 723 nahm er einen Gefangenen aus Calakmul. Unklar ist, ob Tonina direkt mit Calakmul Krieg führte, oder Calakmuls Krieger nur an der Seite z.B. von Pomoy  (unidentifiziertes Königreich) standen.

722 starb in Tonina eine Frau K'awiil Chan, deren Titel ausweist, dass sie in der Regierung des Herrschers 4 eine wichtige Rolle spielte. [Martin/Grube, 2000: S. 184]

K'inich Ich'aak Chapat ("Great-Sun Claw Centipede", auch Ruler 5, Garra de Jaguar)

Er wurde 696 geboren und 723 ins Amt eingesetzt. Seine Mutter hieß Lady Winik Timan K'awil. Sein Vater ist nicht bekannt, doch es mag B'aaknal Chaak gewesen sein.. Hinweise auf die Eltern sind in den Inschriften in Tonina selten. Er ließ etliche Denkmäler errichten, doch fehlen die üblichen Kriegsgefangenen fast völlig.

Er berichtete vom 5. und 13. Jahrestag der Amtseinführung 729 und 736. [Martin/Grube, 2000: S. 186]

739 hört man das letzte von ihm im Zusammenhang mit einem Kalenderereignis, sein weiteres Schicksal ist unbekannt.

K'inich Tuun Chapat (Grat-Sun Stone Centipede, Ruler 6, Ruler 8)

In den nächsten 50 Jahren hört man wenig aus Tonina. Entweder gab es unglückliche Zeiten oder es wurden wenige Denkmäler erhalten.

Von diesem König berichtet Stele 47 von 762. die Inschrift scheint sich auf seinen Tod zu beziehen, doch ist dies nicht sicher.

Ein anderes Inschriftenfragment deutet auf einen zu dieser Zeit erfolgten Konflikt mit Palenque hin, doch ist nichts genaueres bekannt. [Martin/Grube, 2000: S. 187]

Herrscher 8 (K'inich ?-?-Chapat; "Great-Sun ?- Centipede")

Dieser König wurde 756 geboren. Mit ihm ist eine letzte Blütezeit verbunden. Das Datum seiner Einsetzung ist unbekannt. Er zeigt eine Reihe von Kriegsgefangenen.  [Martin/Grube, 2000: S. 188]

789 führte er einen Krieg mit Pomoy. Sein letztes Dokument, die Stelenbasis 95 datiert auf 806, dann schweigen für 30 Jahre die Inschriften in Tonina. [Martin/Grube, 2000: S. 189]

Die letzten Könige

Spätere Monumente zeigen nur Streiflichter einer überlebenden Königsmacht, vielleicht dank der relativen Isolation. Es ist nicht sicher, dass die Dynastie ohne Unterbrechung regierte.

Es gibt einen Herrscher 9 "Uh-Chapat " ="Moon?-Centipede", der 837 erwähnt wird. eine von 830 stammende Gefangenendarstellung mag ebenfalls in seine Zeit datieren.

Jahrzehnte später, im Jahr 904 wurde das nächste Monument 158 auf der höchsten Stelle der Akropolis gesetzt. Die Stele ist nicht sehr groß und der Name des Königs ist nicht mit Sicherheit zu identifizieren. Nur 5 Jahre später, 10.4.0.0.0, wurde Monument 101 gesetzt, das letzte in Langzeitrechnung im alten Mayagebiet. Die Stele ist zerbrochen, der Name des Königs verloren [Martin/Grube, 2000: S. 189]

Niedergang und späte Besiedelung

Das letzte Datum von Tonina lautet auf 909, doch gibt es 1-2 problematische Datierungen, die auch 928 bedeuten können. [Webster, 2002: S. 209]

Ob es das Geschick der Krieger Toninas oder die isolierte Lage am Westrand des Mayagebietes, abseits der Haupthandelswege war, die den Bestand lange erhielten, bleibt unklar. [Schele/Freidel, 1994: S. 456]

Monument 101 gibt das Jahr 909 an.  [-; Maya - Die klassische Periode (Hirmer), 1998: S. 186]

Die Stele mit dem Datum 10.4.0.0.0 (909) wurde 1973 gefunden (Monument 101).

Als Tonina im 10. Jahrhundert verfiel, warfen sie eine Statue auf der 5. Terrasse um, die oberhalb eines Erdmonsters steht, schlugen den Kopf ab und brachen Jadeeinlegearbeiten heraus. [Baudez, 1985: S. 140]

Um 900, kurz vor dem Ende, erscheint auf drei Stelen ein neuer Stil und Menschentyp, der wohl auf Einwanderer aus dem Norden zurückgeht. [Gockel, 1998: S. 260]

Die Verbreitung später Keramik zeigt, dass es noch etwa 1 Jahrhundert oder mehr Bewohner gegeben hat, doch ist wenig bekannt, bis 1545 die Dominikaner im 13 km entfernten Ocosingo eine Kirche gründeten. [Martin/Grube, 2000: S. 189]

Kurz nach 900 wurde die Stadt verlassen, jedoch um 1100 nochmals für 150 Jahre besiedelt. [Gockel, 1998: S. 257]

Nach 909 wurde Tonina verlassen, denn die nächsten Funde stammen erst wieder aus der frühen nachklassischen Zeit zwischen 1000-1250. Schließlich wurde der Ort vollständig aufgegeben und die Bevölkerung wanderte nach Tzaljalchip ab, einem für die Verteidigung besser geeigneten Ort. [Alcina, 1979: S. 509]

Stele mit der Inschrift 10.4.0.0.0 (Januar 909), dem letzten auf der
Akropolis registrierten Datum:

In Tonina haben die Eroberer kurz nach 909 systematisch die Skulpturen verstümmelt, die Stadt wurde verlassen und erst im ausgehenden 10. Jh. wieder besiedelt. [Baudez, 1985: S. 27]

Auf der Terrasse unterhalb des Kriegertempels sind viele Gräber gefunden worden. In einigen fand sich Silberschmuck, sie wurden also erst im 10./11.Jahrhundert angelegt. [Gockel, 1998: S. 260]

In einem Urnengrab der frühen nachklassischen Periode in Tonina fand man Jaden aus klassischen Gräbern. [Baudez, 1985: S. 231]

Bibliographie

Rockstroh, Werner; Mexiko auf neuen Wegen - ein Reisebegleiter zu präkolumbischen Kultstätten und Kunstschätzen; DuMont   Buchverlag Köln 1989(2)

Knaurs Kulturführer in Farbe - Mittelamerika - Die Welt der Maya; Verlag Knaur München 1996

Schele, Linda; Freidel, David; Die unbekannte Welt der Maya; Weltbild Verlag Augsburg 1994

Maya (Ausstellungskatalog Venedig; 1998

Baudez, Claude-Francois; Becquelin, R.; Die Maya; Reihe Universum der Kunst; Verlag Beck München 1985

Maya - Die Klassische Periode; Hirmer Verlag München 1998

Baedeker Mexiko; Verlag Karl Baedeker, Ostfildern bei Stuttgart, 1997(6)

Schlegel, Thomas; Mexico - Das große Reisehandbuch mit Landeskunde; Unterwegsverlag Singen 1998

Gockel, Wolfgang; Mexiko, Das zentrale Hochland und Yucatán; DuMont Buchverlag Köln 1998(1)

Lonely Planet - Reiseführer Mexico; Lonely Planet Publications Melbourne Oakland London Paris, 2002; ISBN 174 059 0287

Martin, Simon; Grube, Nikolai; Chronicle of the Maya Kings and Queens; Thames and Hudson London 2000

Webster, David, The Fall of the Ancient Maya; Thames and Hudson; London 2002

Alcina, José; Die Kunst des Alten Amerika; Herder Freiburg Basel Wien 1979

Es ist zu beachten, dass es sich sich hier um teilweise älteres Archivmaterial handelt, das inhaltlich möglicherweise nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand entspricht.

Lesen Sie auch:

Yadeun, Juan: Toniná, Chiapas, Faltblatt des INAH, Maxico,  1991

 

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