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Die Maya-Stätte Muyil an der Ostküste der Halbinsel Yucatán in Mexiko

Muyil

 

Neben Tulum und Xel-Ha gehört Muyil zu den größeren Mayastätten an der Ostküste der Halbinsel Yucatán. Die Stätte befindet sich etwa 25 km südlich von Tulum direkt an der Straße 307, die Cancún mit Chetumal verbindet. Von der Küste sind die wichtigsten Bauwerke der Stätte 12 km entfernt.
 

Die gelegentliche Bezeichnung Chunyaxché (Getränk des Ceiba-Baumes) bezieht sich eigentlich auf das nahegelegene Mayadorf und die Laguna Chunyaxché. Der Name Muyil bedeutet "Kaninchenplatz".

Seit etwa 300 u.Z. ist hier die Existenz von Menschen nachweisbar. Auch die Bausubstanz lässt keinen Zweifel, dass Muyil schon in klassischer Zeit ein bewohnter Platz war. Insbesondere der Kern der Hauptpyramide ("El Castillo") stammt aus dieser Zeit. Hingegen wurden der Tempel auf der Pyramide sowie die meisten anderen Bauwerke nach dem stilistischen Befund erst in nachklassischer Zeit errichtet. Es finden sich hier auch Reste einer Mauer, die ähnlich wie in Tulum und anderswo den Zeremonialdistrikt von den profanen Wohngebieten abgrenzte. Muyil blieb bis schätzungsweise 1550 bewohnt.

Es ist anzunehmen, dass Muyil mit anderen zeitgleichen Stätten in Verbindung stand. Insbesondere kommen Tulum und Xel-Ha in Frage, aber auch zu dem großen Cobá muss es - freundschaftlich oder nicht - Beziehungen gegeben haben. Auch von den Spaniern wurde Muyil nicht erwähnt.

Muyil besteht aus den Bereichen A und B. Dabei befindet sich Bereich B etwa 2 Kilometer nordöstlich und ist für die Öffentlichkeit unzugänglich. Es handelt sich um die Reste kleinerer Bauwerke.

Der Bereich A gliedert sich in mehrere Gruppen, die vom Eingang her leicht zu erreichen sind. Lediglich gestalten Stechfliegen an manchen Stellen den Aufenthalt mitunter etwas unangenehm. Der größte Teil von Muyil liegt in Trümmern und ist nur bedingt sehenswert.

Besonders interessant ist die bereits erwähnte Hauptpyramide, die eine Höhe von etwa 18 m erreicht. Das Bauwerk kann aus Sicherheitsgründen nicht bis zu oberen Plattform bestiegen werden, da ein Teil der oberen Bausubstanz abgebrochen ist. Der Tempel auf der Pyramide wird noch heute vom Rest eines runden Bauteils überragt, das an ähnliche Strukturen in Chichén Itzá und Mayapán erinnert, jedoch einen nur geringen Umfang hat und teilweise zerstört ist. Von der Rückseite der Pyramide kann man in einen nicht zugänglichen ehemaligen Tempelraum blicken, der mit entenähnlichen Reliefdarstellungen versehen ist. Dieser Gebäudeteil war in vorspanischer Zeit überbaut und erst von den Archäologen wieder freigelegt worden.

Das Castillo ist eines der schönsten Gebäude im Gebiet der Ostküste der Halbinsel Yucatán. Die Pyramide ist knapp 20 Meter hoch.
 
Castillo von Süden gesehen.
Blick auf den ehemaligen Tempelraum mit den Vogelreliefs.


Vom Castillo führt eine ungewöhnlich gut erhaltene alte Mayastraße (Sacbé 1) zu den wenige hundert Meter östlich befindlichen Trümmern eines kleinen Tempels.
 

Die Sacbé Nr.1 ist gut erkennbar.


Nördlich des Castillo, heute ebenfalls durch einige hundert Meter Buschwald abgeschieden, befindet sich der interessante Tempel 8. Dieser Tempel wurde in der späten Nachklassik (1250-1550) errichtet und verfügt über einige noch erhaltene überwölbte Innenräume. Es gibt hier auch fast unmerkliche Reste früherer Bemalung. Unmittelbar vor dem Tempel haben jüngere Ausgrabungen einige klassische Keramiken zutage gefördert, die aus dem Petén sowie aus der Puuc-Region stammen.
 

Blick von Norden zum Tempel 8.
 
Tempel 8.
 
Von den Säulen, die die Fassade gliederten, stehen nur noch Reste.

Durchgang zum hinteren Raum des Tempels.


Kleine Plattform nördlich des Tempels 8.


Während im Wald noch eine Reihe kleinerer Ruinenreste sichtbar und zugänglich sind, fallen nahe dem Eingangsbereich mehrere bis zu 10 Meter hohe Schutthügel auf, die aus klassischer Zeit stammen dürften und ein relativ gut erhaltenes nachklassisches Gebäude rahmen.
 

So genannter Miniaturtempel im Norden der Ruinenstätte.
 
Das überdachte Bauwerk ist Struktur 7H-3.
 
Ruinen nahe des Eingangsbereiches.


Insgesamt vermittelt Muyil einen angenehmen Eindruck. Die Bebauung ist interessant, wenngleich wenig spektakulär, doch befinden sich hier stets nur wenige Besucher, so dass man die Ruinen für sich hat und in Ruhe in Augenschein nehmen kann.
 


Text und Abbildungen: R. Oeser


 

Es ist zu beachten, dass es sich sich hier um teilweise älteres Archivmaterial handelt, das inhaltlich möglicherweise nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand entspricht.

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